Strafe für Dopingsünder – der Fußball und die Hexenjagd
Dienstag, Februar 24th, 2009
Wer hätte das gedacht, dass ich mal über einen Dopingskandal in der Fußballbundesliga berichten darf. Wider Erwarten wurde mein Weltbild in Sachen 1899 Hoffenheim gnadenlos ins Wanken gebracht.
Was musste ich mit großer Verwunderung die vergangenen Tage im Videotext meines heiß geliebten Flachbildfernsehers lesen?
„Dopingskandal in Hoffenheim“
Au weh, dachte ich mir. Das wird ein gefundenes Fressen für alle Hopp-Hasser und Hoffenheim-Neider werden. Schluss mit Spaßfußball, sind ja eh alle mit pushenden Medikamenten aufgezüchtet worden. Doch nicht die Glanzleistung eines Trainers und seines Betreuerstabs, sondern einzig und allein der medizinischen Abteilung.
Doch was soll ich sagen, die ganze Geschichte entwickelt sich zur Farce… Neider und Gegner von Hoffenheim zeigen ihre Solidarität, ein abstiegsbedrohter Club versucht seinen Profit daraus zu schlagen. Und immer mehr unbekannte und nichts desto trotz völlig unwichtige Pseudo-Experten melden sich zu Wort mit einer Rede an die Fußball-Nation.
Zeit für eine kurze Zusammenfassung:
Samstag, 07.02.2009 um ca. 17.15 Uhr in Mönchengladbach. Das Spiel endete nach einer dramatischen Schlussphase (und zugegebenerweise einem nicht regulären Tor in der Nachspielzeit) mit 1:1 Unentschieden.
Trainer Ralf Rangnik setzt unmittelbar nach Spielende eine kurze Mannschaftsbesprechung an, an der auf die Spieler Ibertsberger und Janker teilnehmen. Fatal, wie sich hinterher herausstellt, denn genau diese Spieler wurden in der Halbzeitpause als Kandidaten für die Dopingprobe ausgelost.
Nun denn, mit 10-minütiger Verspätung erscheinen die beiden Profis zur Kontrolle.
Genau diese Verspätung ist es nun, die für den knallharten Doping-Skandal in der Fußball-Bundesliga sorgt.
Doch STOP; Dopingskandal im Profifußball? Kann das denn wirklich Realität sein? Haben wir jetzt Zustände erreicht, die man sonst nur mit dem Radsport assoziiert?
Nein, so ist es nicht, denn schließlich sei an dieser Stelle mal erwähnt, dass die Dopingproben negativ waren. Somit handelt es sich nicht um einen Doping-Skandal, sondern höchstenfalls um einen Verstoß gegen die Dopingrichtlinien.
Doch immer noch werden Schlüsse aus anderen Beispielsfällen gezogen, wo Fußball-Profis bis zu einem Jahr gesperrt wurden, weil sie zu spät zur Kontrolle erschienen sind.
Dass das Dopingreglement eine solch drakonische Strafe vorsieht kann sicherlich diskutiert werden. Dass eine negative Probe allerdings so dermaßen in den Hintergrund rückt, erinnert schon ein wenig an blinden Aktionismus, den man sonst nur aus Brüssel kennt (bestes Beispiel: Neigungswinkel der Banane).



