Strafe für Dopingsünder – der Fußball und die Hexenjagd
Wer hätte das gedacht, dass ich mal über einen Dopingskandal in der Fußballbundesliga berichten darf. Wider Erwarten wurde mein Weltbild in Sachen 1899 Hoffenheim gnadenlos ins Wanken gebracht.
Was musste ich mit großer Verwunderung die vergangenen Tage im Videotext meines heiß geliebten Flachbildfernsehers lesen?
„Dopingskandal in Hoffenheim“
Au weh, dachte ich mir. Das wird ein gefundenes Fressen für alle Hopp-Hasser und Hoffenheim-Neider werden. Schluss mit Spaßfußball, sind ja eh alle mit pushenden Medikamenten aufgezüchtet worden. Doch nicht die Glanzleistung eines Trainers und seines Betreuerstabs, sondern einzig und allein der medizinischen Abteilung.
Doch was soll ich sagen, die ganze Geschichte entwickelt sich zur Farce… Neider und Gegner von Hoffenheim zeigen ihre Solidarität, ein abstiegsbedrohter Club versucht seinen Profit daraus zu schlagen. Und immer mehr unbekannte und nichts desto trotz völlig unwichtige Pseudo-Experten melden sich zu Wort mit einer Rede an die Fußball-Nation.
Zeit für eine kurze Zusammenfassung:
Samstag, 07.02.2009 um ca. 17.15 Uhr in Mönchengladbach. Das Spiel endete nach einer dramatischen Schlussphase (und zugegebenerweise einem nicht regulären Tor in der Nachspielzeit) mit 1:1 Unentschieden.
Trainer Ralf Rangnik setzt unmittelbar nach Spielende eine kurze Mannschaftsbesprechung an, an der auf die Spieler Ibertsberger und Janker teilnehmen. Fatal, wie sich hinterher herausstellt, denn genau diese Spieler wurden in der Halbzeitpause als Kandidaten für die Dopingprobe ausgelost.
Nun denn, mit 10-minütiger Verspätung erscheinen die beiden Profis zur Kontrolle.
Genau diese Verspätung ist es nun, die für den knallharten Doping-Skandal in der Fußball-Bundesliga sorgt.
Doch STOP; Dopingskandal im Profifußball? Kann das denn wirklich Realität sein? Haben wir jetzt Zustände erreicht, die man sonst nur mit dem Radsport assoziiert?
Nein, so ist es nicht, denn schließlich sei an dieser Stelle mal erwähnt, dass die Dopingproben negativ waren. Somit handelt es sich nicht um einen Doping-Skandal, sondern höchstenfalls um einen Verstoß gegen die Dopingrichtlinien.
Doch immer noch werden Schlüsse aus anderen Beispielsfällen gezogen, wo Fußball-Profis bis zu einem Jahr gesperrt wurden, weil sie zu spät zur Kontrolle erschienen sind.
Dass das Dopingreglement eine solch drakonische Strafe vorsieht kann sicherlich diskutiert werden. Dass eine negative Probe allerdings so dermaßen in den Hintergrund rückt, erinnert schon ein wenig an blinden Aktionismus, den man sonst nur aus Brüssel kennt (bestes Beispiel: Neigungswinkel der Banane).
Tags: 1. Fußball-Bundesliga, Hoffenheim




Februar 25th, 2009 at 01:05
Zehn Minuten kamen die beiden Spieler zu spaet. Heute habe ich erfahren, dass in dieser Zeit ohne Probleme Substanzen eingenommen werden koennen, um den Test zu manipulieren. Als ist eine Sperre wohl doch nicht so verkehrt, auch wenn ein Jahr schon sehr krass ist.
Februar 25th, 2009 at 01:18
Das ist ein absoluter Witz! Allein schon die Tatsache, daß eine Verspätung bei der Dopingprobe trotz negativen Befundes mit einem Jahr Sperre bestraft werden soll, wo überführte Dopingsünder nur zwei Jahre abbrummen müssen, zeigt die ganze bürokratische Idiotie. Wo ist denn da die Verhältnismäßigkeit? Begründet wird dies damit, man könnte ja auf die Schnelle Medikamente zum Abbau der Dopingmittel einnehmen oder den Urin austauschen. Alles klar… Und überhaupt: Im Gegensatz zu anderen Sportarten macht Doping im Fußball doch keinen Sinn. Kein Kreisklassekicker wird durch irgendwelche Mittel zum Weltfußballler, und die nötige körperliche Leistungsfähigkeit kann man sich - anders als z.B. im Radsport - ohne große Probleme antrainieren. Und selbstverständlich legt Gladbach nur Einspruch gegen die Wertung des Spiels ein, um Rechtssicherheit zu erlangen. Keeeiiineswegs geht es um die zwei zusätzlichen Punkte. Hoffentlich steigen die Lügner ab - sorry, Hans.
Mai 17th, 2010 at 18:17
Könntest du das etwas differenzierter beschreiben?